Widerlegung der Scheinargumente über die Bedeutung einiger islamischer Fachausdrücke

  • | Monday, 1 June, 2015
Widerlegung der Scheinargumente über die Bedeutung einiger islamischer Fachausdrücke

In einer Welt voller irrigen Begriffe, übertriebenen Auffassungen und verallgemeinernden Fachausdrücke, ist es notwendig geworden, diese Begriffe zu differenzieren, die Auffassungen zu überarbeiten und die genauen wissenschaftlichen Inhalte zu erklären. Das ist noch besonders notwendig, nachdem diese Begriffe, Auffassungen und Fachausdrücke nicht nur auf das intellektuelle Feld (den intellektuellen Kreis) beschränkt haben, sondern sie haben das überschritten und überdies zur blutigen Gewalttaten geführt, deren Folgen Millionen von Menschen in vielen Ländern erleiden. Dadurch wird das Denken richtig gestellt und all die gegenseitigen Splittergruppen aus allen Religionen, Lehrmeinungen und Richtungen werden zu einem gleichen Wort eingeladen.

Ausgehend davon bieten wir allen nach der Wahrheit Suchenden einen zusammenfassenden Überblick über die präzisen Inhalte und Bedeutungen der wichtigsten Fachausdrücke und Worte, die eine intellektuelle Verwirrung ausgelöst und viele Menschen zur Radikalität geführt haben. Sie haben außerdem einige Menschen dazu veranlasst, mit Überzeugung blutige Gewalttaten zu verüben.

An der Spitze dieser Fachausdrücke und Worte ist beispielsweise Folgendes zu erwähnen:

Al-hakimiyya (Absolute Gottesherrschaft)

Zwar glauben wir als Muslime tief an die Herrschaft Gottes: Gott sagt: "Das Urteil gehört allein Allah" (6:75), Jedoch muss es , hervorgehoben werden, dass das falsche und oberflächliche Denken dazu führt, dass ein Widerspruch zwischen Gottes Herrschaft und Herrschaft der Menschen entsteht, die auch gleichzeitig an Gottes Herrschaft glauben. Dieser angebliche Widerspruch ignoriert die Theorie der göttlichen Stellvertretung, die dem Menschen den Rang des göttlichen Stellvertreters verleiht, damit er die Herrschaft Gottes auf der Erde etabliert. Gott hat den Propheten ,,David“ zu seinem Statthalter auf der Erde gemacht, damit er unter den Menschen mit Gerechtigkeit, die die Herrschaft Gottes darstellt, richtet.

Gott sagt: ,,O Dawud, Wir haben dich zu einem Statthalter auf der Erde gemacht. So richte zwischen den Menschen in Gerechtigkeit.“ (38: 62)

Gott hat auch den Propheten "Muhammad" zu seinem Statthalter gemacht, damit er zwischen den Menschen nach dem, was Allah als Offenbarung herab gesandt hat, richtet.

Im Koran steht: ,,Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit herab gesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber. So richte zwischen ihnen nach dem, was Allah (als Offenbarung) herab gesandt hat.“ (5:48)

So weist die Herrschaft der Menschen, wenn sie im Rahmen der göttlichen und ethischen Rechtleitung ausgeübt wird, die Herrschaft Gottes auf. Der andalusische Islam-Gelehrte Ibn Hazm (gest. 456 n. H. 1064 n. Chr.) sagt: ,,Zur Gottes Herrschaft gehört, dass Er dem Menschen das Recht gegeben hat, zu herrschen“.

Diese göttliche Ordnung bezüglich der Stellvertretung des Menschen auf der Erde ist allgemeingültig und umfasst all die geistigen Felder und Lebensbereiche.

,,Alle Macht gehört nur Allah“, das bedeutet: Der Mensch, der Statthalter Gottes, hat ebenso eine Macht, die als ein Teil der göttlichen Macht und der Macht seines Gesandten betrachtet wird.

,,Alle Fürsprache gehört nur Allah“: Trotzdem wir dem Statthalter Gottes (dem Menschen) , auch ein Teil der Fürsprache verliehen, die Gott ihm erlaubt hat.

,,Alle Stärke gehört nur Allah “: Trotzdem wird der starke Gläubige, der die Kraft zum Schutz der Wahrheit bereithält od. benutzt, dem Gott lieber als der schwache Gläubige.

"Alle Vermögen gehört nur Allah", Trotzdem hat Gott, dem Menschen, das Recht gegeben, zu besitzen, zu investieren, Profite zu erzielen, Vermögen und Reichtümer zu genießen und es ist auch zu verstehen, dass alle Angelegenheiten (nur) Allah gehören.

Allerdings gibt es unter den Menschen jene Herrscher, deren Gehorchen, soweit sie mit Gerechtigkeit richten, dem Gehorchen Gottes und seines Gesandten gleicht. Demzufolge gibt es überhaupt keinen Widerspruch zwischen der Herrschaft Gottes, der Anwendung der Scharia und der Herrschaft der Umma, die die Quelle der Macht ist.

Al-Dschahiliyya (Unwissenheit) und at-takfir (Verketzerung)

Die Übertreiber und radikal Denkenden sind davon ausgegangen, dass es einen Widerspruch zwischen der Herrschaft Gottes und der Herrschaft des Menschen gibt, um die anderen für Dschhiliten (Unwissende) zu erklären, und dann die Gesellschaften, die die Demokratie als Herrschaftsinstrument angenommen haben, zu verketzern. Somit haben sie vielleicht ignoriert, dass die Demokratie als  Ersatz des Despotismus, der Diktatur und der Tyrannei und außerdem als Instrument zur Verwaltung der staatlichen Behörden dem islamischen Shura-Prinzip nicht widerspricht, das im Wesentlichen die Teilnahme an der politischen Beschlussfassung seitens des Herrschers bedeutet. 

Deshalb gilt die Nutzung der Demokratiemechanismen – trotz der Entstehung der Demokratie außerhalb der islamischen Welt - als eine Art der Suche nach der Weisheit, die abgesehen von ihren Gründern und von der geistigen und politischen Umgebung ihrer Entstehung das verlorene Gut des Gläubigen ist.

Die Verfassungen der Staaten, die die Demokratie übernommen haben, bestätigen, dass die Prinzipien der islamischen Scharia die Hauptquelle der Gesetzgebung und der Rechte darstellen. Demnach sind diese Verfassungen geschützt von irgendwelchen philosophischen westlichen Vorstellungen, die mit der islamischen Scharia in Widerspruch stehen.

Wenn die menschliche hâkimiyya –in diesem Sinne- nichts mit der Dschâhiliya, von der die Übertreiber und die Fanatiker immer wieder reden, zu tun hat, dann kommen wir zum Schluss, dass diese Übertreiber sowohl den sprachlichen als auch den fachspezifischen Sinn des Begriffs ,, Dschâhiliya“, der in unserer islamischen Kultur bekannt ist, verdreht haben. Die Dschâhiliya in ihrem eigentlichen und genauen Sinne weist auf den Zeitraum zwischen Jesus und Muhammad, als der Polytheismus den Kern des Glaubens bildete.

Das Vorhandensein von einigen, in den islamischen Gesellschaften auf Dschâhiliya bezogenen Erscheinungen, bedeutet aber auch nicht, dass es sich hier um eine absolute Dschâhiliya handelt. Der Prophet –Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte zu Abû Ḏhar, der mit aller treue und Glaubemswürdigkeit bekannt war, ,,O Abû Ḏhar, du bist ein Mann, der eine Eigenschaft der Dschâhiliya besitzt.” Wenn es also Dschâhiliya-Erscheinungen gäbe, von denen man die Gesellschaft zu befreien versucht, dann heißt es nicht, dass die Gesellschaft so einfach dem Unwissen vorgeworfen werden könnte.

Mit dieser Abgrenzung des Begriffs ,, Dschâhiliya“ wird das Urteil verneint, dass unsere Gesellschaften ungläubig sind und dass sie von ungläubigen Staaten regiert sind. Weil Imân (Glaube) – die im Gegensatz zum Kufr (dem Unglauben) steht - die innere Überzeugung bedeutet, die den Grad der Gewissheit erreicht, besitzt nur Allah, der erhabene, das Wissen über die Wahrheit dieser Überzeugung.

Darüber hinaus hängen die Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheit, die die Menschen in unseren islamischen Gesellschaften voneinander unterscheiden, bloß von der Politik und Staatsform ab. Und gemäß der Meinung der sunnitischen Gelehrten, die 90% der islamischen Umma ausmacht, gelten die Fragen der Politik und Staatsform als praktische Rechtsfragen, und gehören nicht zu den Glaubenssätzen. Demgemäß geht es bei Meinungsverschiedenheit über rechtliche und politische Fragen um das Kriterium der ,,Richtigkeit oder Falschheit” sowie um ,,Nutzen oder Schaden”, und nicht um das Kriterium des ,,Glaubens oder Unglaubens“, das bei den hauptdogmatischen Streitigkeiten gültig ist. Deshalb stellt die Meinungsverschiedenheit auf dem Gebiet der Politik und Rechtsfragen eine Gesetzmäßigkeit Allahs dar, die weder Änderung noch Abwandlung unterworfen ist. Im Gegensatz dazu gibt es keine Pluralität von Meinungen bei den hauptdogmatischen Fragen.

Aufgrund solcher Tatsachen, die die Übertreiber und Fanatiker ignorierten, oder nicht wussten, würden in unserem Kulturerbe bzw. in der Geschichte unserer Tradition und islamischen Recht viele Aussagen berichtet, die vor der Verketzerung ,,takfîr“ warnen. Der große Gelehrte, Abû Hâmid al-Ghazâlî (450-505 n. H./ 1058-1111 n. Chr.) sagt: ,,Die Verketzerung ist so gefährlich und das sich-Abhalten davon ist aber gefahrlos. Der Irrtum bei der Grundlage des Imamat  (der Ernennung eines Imam), dessen Voraussetzungen, dessen Bestimmung, dessen Bedingungen oder bei allem, was davon auf allen Gebieten der Politik abhängig ist, hat mit der Verketzerung nichts zu tun. Die Neigung zur Verketzerung gehört zu den dominierenden Eigenschaften der Unwissenden. Von dem Gesagten lässt sich schließen, dass man sich möglichst davon abhalten, die Anderen als ungläubig zu bezeichnen. Die Leute, die in die Qibla-Richtung beten und die ausdrücklich bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und dass Muhammad sein Gesandter ist, für vogelfrei zu erklären und ihr Vermögen zu beschlagnahmen, ist ein Irrtum. Ein Irrtum, der dazu führt, dass hunderte Ungläubige am Leben bleiben, ist kleiner als ein Irrtum, der dazu führt, einen Muslim umzubringen.“

Das, was der der Imam al-Ghazâlî erwähnt hat, findet man auch bei dem Imam Abû Ga´far at-Ṭaḥâwî: ,,Wir verketzern niemanden, der in die Qibla-Richtung das Gebet verrichtet, aufgrund einer Sünde, solange er diese Sünde für erlaubt nicht hält.” Auch Ibn Taymiyya (661-728 n. H./ 1263-1328 n. Chr.), an dem sich die heutigen Verketzernden anlehnen, warnt ausdrücklich vor der Verketzerung, indem er sagt: ,,Wir ziehen es vor, keinen von der Qibla-Leuten (die Muslime) zu verketzern,” Er sagt auch: ,,Die Leute der bid´a (eine schlechte Neuerung in der Religion) sind diejenigen, die die Meinungen ausdenken und sie nicht nur für eine Grundlage der Religion halten, sondern auch für dogmatische Elemente, an die man glauben muss. Demnach verketzern sie denjenigen, die daran nicht glauben, und erklären ihn für vogelfrei. Im Gegensatz dazu sind die richtige Muslime, indem sie nichts in der Religion ausdenken und denjenigen nicht verketzern, der aufgrund einer Anstrengung um eine Rechtsfindung zu einem falschen Urteil kommt, auch wenn er ihrer Meinung widerspricht und sie verketzert, oder sie für vogelfrei erklärt. Genauso wie die Prophetengefährten den Kharidschîten,  trotz ihrer Verketzerung ´Uthmâns, ´Alîs und ihrer Anhänger, nicht verketzert haben, geschweige denn dazu aufgerufen haben, sie zu töten. Wer die Imame, die andere Meinung vertreten, verketzert, dem gebührt eine heftige Strafe, die ihn und seinesgleichen davon hindern soll, die Muslime zu verketzern.“

In der modernen Zeit sagt der Imam Muhammed Abdu (1266-1323 n. H./ 1849-1905 n. Chr.): ,,Es ist unter den Muslimen bekannt und gehört zu den Grundlagen ihrer Religion, dass derjenige, dessen Auffassung von hundert Perspektiven als Ketzerei und nur von einer Perspektive als gläubig betrachtet wird, im Endeffekt als Gläubige gilt.“

2. Der Begriff ,,Kalifat“:

Das Kalifat war das politische System, das drei Ziele erreicht hat:

Die Einheit der Umma,
die Komplementarität und nicht die Einheit der islamischen Territorien und
die Umsetzung der islamischen Scharia innerhalb der islamischen Gesellschaften.

 

Da die Herrschaftssysteme die Institutionen darstellen, die die Macht in den Gesellschaften repräsentieren, sind diese Regime - unter denen auch das Kalifatssystem,  Zivilsysteme, die die Nation bildet, entwickelt und verändert, um dahinter vorgesehene Zwecke zu erreichen. Deswegen wird jedes politische System, das zur Einheit der Umma, Komplementarität der islamischen Länder und Umsetzung der islamischen Scharia als ein islamisches System betrachtet, auch wenn wir es nicht Kalifat nennen. Entscheidend sind die Ziele und die Zwecke, und nicht die Namen und die Formen.

Hätte der islamische Orient - wie der europäische Westen - einen gemeinsamen kommerziellen Wirtschaftsmarkt, Zollunion, gemeinsame Verteidigung, Sekretariat der gemeinsamen Außenpolitik und Justiz für Menschenrechte - wie die europäische Union - errichtet, wäre die Organisation der Islamischen Zusammenarbeit die zeitgenössische Alternative für das historisch-islamische Kalifat geworden und hätten sich die Elemente der islamischen Solidarität und Komplementarität verwirklicht, als wäre dies ein Kreis, der alle Länder zusammenbringt, ohne die Trennung zwischen Nationen zu überschreiten oder abzusagen.

Diese Vorstellung wurde bereits seit der 19. Jahrhundert in der islamischen Reformschule aufgerollt. Der Leiter dieser Schule war Gamâl ad-Dîn al-Afghany (1254- 1314 n. H./ 1838-1897 n. Chr.). Er ist derjenige, der den Slogan ,,Ägypten ist für die Ägypter“  und den ,,der islamischen Universität“ zusammengebracht hat. Er und der Imam Mohammed Abdu schrieben im Jahr 1884 im Buch (Al-´Urwa al-wuthqa) über diese Vorstellung, indem er sagte: "das Gebiet von Adrena in der Türkei bis Bishawr in Pakistan bildet islamische Nachbarstaaten, die einen einheitlichen Glauben haben und die der Koran vereinigt. Sollen sie sich nicht einigen, einander zu unterstützen, wie die anderen Nationen? Diese Übereinstimmung (Zusammenarbeit) ist eine der Grundlagen ihrer Religion und schützt sie vor den an sie von allen Seiten gerichteten Angriffen. Damit meine ich nicht, dass der Herrscher über alle Gebiete in allen Angelegenheiten dieselbe Person sein soll, sondern ich hoffe darauf, dass die Autorität dem Koran von allen verleiht wird und jeder Herrscher sich dafür einsetzt, die anderen zu schützen, weil ihr Dasein mit dem der anderen verbunden ist. Das ist doch die Grundlage ihrer Religion und die Regelung, die wir heutzutage benötigen."   

Es gibt denn keinen Widerspruch zwischen diesen nationalen und staatlichen Ländern und der Solidarität und der Komplementarität, die sie zusammenbringen. Wer das Kalifat nur für eine Partei, die eine magische Lösung für alle Probleme bietet, oder für eine Miliz hält, die Treuegelöbnis gegenüber einem Unbekannten leistet, der treibt Unfug in einer Angelegenheit, worin Unfug nicht getrieben werden darf.

 

Begriffe: Der Dschihâd (Die Anstrengung um Allahs willen), Der Krieg, Der Terrorismus

Der Begriff „Dschihâd“ gehört leider zu den Begriffen, die meist missverstanden und missbraucht werden.

Westliche Denk- und Politikkreise hielten das Wort für Synonym des Begriffs  „Heiliger Krieg“, der in der Theologie der katholischen europäischen Kirche verwandt wurde, die Glaubenskriege auslöste, um die Andersgläubigen zum Wechsel des Glaubens zu zwingen. Diese Kriege brach zwischen den Katholiken und den Protestanten aus; darin sind nach den Statistiken von ,,Voltaire“ (1694-1778) etwa 10 Millionen. Henry Kissinger zufolge kamen ungefähr 40% der Völker von Mitteleuropa ums Leben.
Einige beschränken den „Dschihâd“ auf ,,Bekämpfung“.
Eine dritte Gruppe sieht den „Dschihâd“ als Synonym für den „Terrorismus“ an.

In der Tat hat der „Dschihâd“ – aus islamischer Sicht und in der islamischen Kultur – eine ganz andere Bedeutung, die all diesen falschen Verständnissen und Vorstellungen eben widersprechen. Der „Dschihâd“ ist das Sich-Anstrengen um irgendeine Aussage oder eine Handlung auf irgendeinem Gebiet des Guten und der Reform im Leben. Laut der Akademie für die arabische Sprache im Werk "Lexikon der koranischen Begriffe" ist der Begriff „Dschihâd“ im Koran mehrmals mit der Bedeutung ,,das Sich-Anstrengen um den Aufruf zum Islam und seine Verteidigung“ vorgekommen. Diese Definition erwähnte Ash-Scharîf Al-Dschurdschânî (740 n. H./ 1340 n. Chr.- 816 n. H./ 1413 n. Chr.) in seinem Werk „at-Ta´rîfât“ (Die Definitionen), indem er meint, dass „Dschihâd“ ,,der Aufruf zur wahren Religion“ .

Es ist bekannt und berühmt, dass dieser „Dschihâd (im Sinne vom Aufruf) mit Weisheit, schöner Ermahnung und Dialog auf der besten Weise erflogt. Vor allem und darüberhinaus meinte der Koran mit dem Vers, in dem er den „Dschihâd“ als großer Einsatz beschreibt, den „Dschihâd“ mit dem Koran, d.h. mit dem Wort der Weisheit und dem schönen Aufruf, d.h. weder der Gewaltanwendung noch der Bekämpfung: Allah sagt: ,,Und mühe dich damit gegen sie ab mit großem Einsatz.“ (25:53).

Der ehrwürdige Koran hält die bei der Begegnung der Angriffe in bester Weise praktizierte geistige Anstrengung und Verhaltensaktivität  für einen „Dschihâd“, der die Machtverhältnisse unter den sich auseinandersetzenden Splittergruppen: Allah sagt im Koran: ,,Wehre mit dem, was besser ist, das Böse ab. Wir wissen sehr wohl, was sie dann zuschreiben“ (23: 97)

Bemerkenswert ist es, wie der Koran den Begriff ,,Ad-daîfʿ“ (die Verteidigung), i.e. ein friedliches Engagement, auswählte, und den Begriff Konflikt, der mit der Gewalt eng verbunden ist, ablehnte. Das gilt in allen Bereichen der Reformation, egal ob sie religiös oder weltlich sind.

So gibt es überhaupt keine Verbindung zwischen dem Dschihâd -Konzept und dem religiösen heiligen Krieg oder der Gewalt, oder dem Kampf, oder dem Zwang der Anderen, ihren eigenen Glauben und Willen zu ändern, etwas zu tun.

Im Gegensatz zu denjenigen, die Dschihâd auf Kampf einschränkten, betonen die muslimischen Koranausleger und Terminologen, dass Dschihâd ein umfassender Begriff ist, der unzählbare Formen der friedlichen Einsatz, wie z.B. Kampf gegen das Selbst, Kampf gegen den Satan, Kampf gegen eigene Begierden und Launen, Geldausgeben, gegenseitiges Mahnen zur Wahrheit und zum Ausharren, Gutes tun, Vergebung und Verzeihung anstelle der Rache bzw. Der Vergeltung, d.h. die Vergebung der Gerechtigkeit voranzustellen, Suche nach dem Wissen, Pietät gegenüber den Eltern, freiwilliges Verrichten der Pflichtpilgerfahrt und der freiwilligen Pilgerfahrt, Geduld bei den Notlagen, spirituelle Bemühungen, Gebieten des Rechts und Verbieten des Verwerflichen, Einsatz mit den Worten, durch Prosa und Lyrik wie in der Frühzeit des Islam, Besänftigen der eignen Seele, die Schönheit in diesem Universum zu empfinden, usw.. Dschihâd gilt in all diesen friedlichen Bereichen.

Ein Zeugnis für diese Wahrheit – d.h. die Unmöglichkeit, Dschihâd auf den Kampf einzuschränken, ist es, dass Dschihâd eine individuelle Pflicht für jeden Muslim und jede Muslimin ist, und zwar deswegen, weil Dschihâd für alle Rechtsfähigen möglich ist. und zwar je nach den Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, die sie innehatten und noch innehaben, und je nach dem Bereich, in der der eine Rechtsfähige sich bemüht und einsetzt, egal ob in Bereichen der rituellen oder weltlichen zwischenmenschlichen Handlungen.    Der Kampf aber, der einen bestimmten und beschränkten Teil von Dschihâd darstellt, hat bestimmte Voraussetzungen und gilt in bestimmten Bereichen, die der Koran in den Versen, die über Kampf sprechen, bestimmte. Deshalb war Dschihâd in seinen friedlichen Dimensionen eine individuelle Pflicht für alle Rechtsfähigen, während der Kampf eine kollektive Pflicht war.

• Dazu zeichnet sich die Philosophie des Islam bezüglich des Kampfs von vielen anderen philosophischen Anschauungen und anderen Denkstrukturen diesbezüglich aus.

Während einige philosophische Anschauungen den Kampf als herrschenden und gebundenen menschlichen Instinkt, vielmehr ein Mittel für den Fortschritt, Selektion und Evolution betrachten, sah ihn der Islam als eine Notwendigkeit, ein Ausnahmefall, vielmehr eine unerwünschte Ausnahme.

In dem edlen Koran schrieb Allah - der Erhabene - den Gläubigen mehrere Pflichten vor. Als er jedoch den Kampf vorschrieb, wies er darauf hin, dass es unerwünscht ist:

"Vorgeschrieben ist euch zu kämpfen, obwohl es euch zuwider ist." (2: 216)

Die Sunna des Propheten, die als die prophetische Erklärung der koranischen Botschaft dient, bestätigte dieses wichtige Fakt. Der Gesandte -Gott segne ihn und schenke ihm Heil – sagte zu seinen Gefährten und Gemeinde Folgendes: "Wünscht euch nicht, den Feind zu treffen, und bittet Allah darum, euch sicher und gesund zu bewahren. Wenn ihr euch mit ihm trefft, bleibt standhaft, und gedenkt Allahs vielmals." Überliefert von ad-Dârâmî.

Der Koran entschied sich für die defensive Natur des Kampfs, im Koran steht:

"Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch
übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter." (2: 190)

Dieses Fakt, die defensive Natur des gerechten Kampfs, wird dadurch unterstützt, dass der Märtyrer derjenige ist, der bei der Verteidigung und nicht bei der Aggression ums Leben kommt. Der Hadith des Gesandten zählt diese Verteidigungsfälle, indem der Gesandte -Gott segne ihn und schenke ihm Heil- sagte: Derjenige, der getötet wird, während er seinen Besitz verteidigt, ist ein Märtyrer, derjenige, der getötet wird, während er seine Familie verteidigt, ist ein Märtyrer, derjenige, der getötet wird, während er seine Religion verteidigt, ist ein Märtyrer, und derjenige, der getötet wird, während er sein Leben verteidigt, ist ein Märtyrer.“ (Überliefert von at-Tirmidhî).

Deshalb waren alle Kriege, die der vom Propheten gegründete Staat führte, von defensiver Art. Man wollte die Medina - Land des Islam – und der Religion verteidigen, an die die Gläubigen, die aus ihrer Heimat ausgetrieben wurden, glaubten. In diesen Kriegen, die den Gläubigen zwangsweise auferlegt wurde, überschritt die Anzahl der muslimischen Märtyrer und den Polytheisten, die ums Leben kamen, nicht mehr als 683 Menschen.

Was die islamischen Eroberungen betrifft, wurden die meisten von denen gegen die römischen und persischen Kolonialmächte geführt. Die Bevölkerung der eroberten Länder standen in diesen Kriegen auf der Seite der Muslime. Diese Kriege galten als Befreiung der Heimastländer, des Bewusstseins und des Glaubens. Sie setzten sich es keinesfalls zum Ziel, die Andersgläubigen zum Glaubenswechsel zu zwingen. Ein Jahrhundert später nach diesen Eroberungen betrug der Prozentsatz der Muslime in dem islamischen Staat nicht mehr als 10% der gesamten Bevölkerung.

Darüber hinaus erließ der Islam in diesem im Notfall auferlegten, unerwünschten Kampf, der als Verteidigungs- bzw. Befreiungskrieg zu verstehen ist, gute Regelungen, die Abû Bakr Aṣ-Ṣiddîq vorschrieb, als er seinen Heerführer Yazîd b. Abî Sufyân (gest. 81 n. H, / 936 n. Chr.) zum Befreien Syriens von der byzantinischen Kolonialmacht schickte: Er empfahl Ihm: "Du wirst Menschen antreffen, die behaupten, dass sie sich von der Welt entzogen und sich Gott gewidmet haben (die Mönche), lass sie in Gelassenheit! Befolge diese zehn Regeln: Töte keine Frau, kein Kind oder keinen Alten! Fälle keine fruchtbaren Bäume, zerstöre keine Gebäude und töte kein Schaf oder Kamel außer zum Essen. Überschwemmt und holzt keine Palmen ab. Sei nicht ausschweifend und seid nicht feige! (Überliefert von Mâlik in K. al-Muwaṭa´). Das gilt als Schutzvertrag für alle Personen außer den Feindsoldaten. Dieser Schutzvertrag schließt ebenso die Natur auch mit den Tieren, Bäumen und Steinen ein. Das ist der Kampf und das  sind seine Philosophie und Regelungen im Islam.

Was den Terrorismus betrifft, den manche dem Islam vorgeworfen haben, so ist er ohne Definition, wie er im "Soziologischen Wörterbuch" vorkommt, das von der Akademie für die arabische Sprache herausgegeben wurde: ,,ungerechtfertigte Gewalt üben, um die in Sicherheit lebenden Personen zu erschrecken und sie dazu zwingen, was sie nicht annehmen wollen“.

Dies ist die philosophische und soziologische Definition für den Terrorismus. Hat dann die ungerechtfertigte Gewalt gegen die in Sicherheit lebenden Personen und der Zwang zu dem, was sie nicht akzeptieren wollen, irgendeine Beziehung mit dem, was in Koran vorkommt?

Im Koran steht: ,,Und wenn du von einem Volke Verräterei fürchtest, so verwirf (den Vertrag) gegenseitig. Wahrlich, Allah liebt nicht die Verräter. Lass nicht die Ungläubigen wähnen, sie hätten (Uns) übertroffen. Wahrlich, sie können nicht obsiegen.. Und rüstet wider sie, was ihr nur vermögt an Streitkräften und berittenen Grenzwachen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euren Feind und außer ihnen andere, die ihr nicht kennt; Allah kennt sie. Und was ihr auch aufwendet für Allahs Sache, es wird euch voll zurückgezahlt werden, und es soll euch kein Unrecht geschehen“. (8, 58-60)

Die Bedeutung des koranischen Begriffs "Al-Irhâb" steht in Widerspruch zur Bedeutung des Begriffs " Al-´Irhâb" in den westlichen soziologischen und philosophischen Wörterbüchern.

Der koranische Begriff bedeutet: die Verrätern, Schwindler und Untreuen verängstigen, damit sie sich nicht gegen die Muslime und Mudschâhidûn verschwören. Diese Verängstigung resultiert aus der Ausrüstung mit Abschreckungsmitteln. Er bedeutet nicht, den Feind und die in Sicherheit Lebenden zu erschrecken. Es ist eine Art der Abschreckung, die die Gewalt, den Zwang und den Krieg verhindert. Es ist ähnlich wie die Strafrechte, deren Existenz ein Verbrechen verhindert und die Verbrecher erschreckt.

Wäre Japan z.B. im 2. Weltkrieg mit Atomwaffen ausgerüstet worden, dann hätte sie die USA verängstigt und die Katastrophe von Hiroshima und Nagasaki verhindert.  Die sowjetische Union war auch mit ABC-Waffen ausgerüstet, weswegen er die USA verängstigen und einen Völkermord während des kalten Kriegs zwischen Kapitalismus und Kommunismus verhindern könnte. Dies war auch der Fall mit Indien und Pakistan.

Die Bedeutung des Begriffs "Irhâb" im Koran ist ähnlich wie die Begriffe "Rahbah" und "Rahbâniyya", die also Respekt und Furcht vor Allah, dem Erhaben, bedeuten.

"Führung und Barmherzigkeit für jene, die ihren Herrn fürchten" (7: 154)

"und Mich allein sollt ihr fürchten" (2: 40)

"und sie riefen Uns an in Hoffnung und in Furcht und waren demütig vor Uns" (21: 90)

"und in die Herzen derer, die ihm folgten, legten Wir Güte und Barmherzigkeit. Das Mönchstum jedoch, das sie sich erfanden" (57: 27) 

Die Bedeutungen der im Koran erwähnten Begriffe haben mit der Bedeutung, die die westlichen Denker für den Begriff "Terrorismus" festlegten nichts zu tun.  Ihrer Definition nach bedeutet ,,Irhâb“: ,,ungerechtfertigte Gewalt üben, um die in Sicherheit lebenden Personen zu erschrecken und sie dazu zwingen, was sie nicht annehmen wollen“

 

Aber trotzdem haben viele westliche Denker und Politiker dem Islam den Terrorismus vorgeworfen und haben Kriege gegen sie unter dem Motto "Terrorismus" geführt.

 

Der zionistische Orientalist „Bernard Luies“ wollte diese Wahrheit bestätigen, als er behauptete, der heutige Terrorismus sei ein Teil einer langen Kampfgeschichte zwischen Osten und Westen. Das ethische System des Islam ist anders als das der jüdischen christlichen westlichen Kultur. Die Verse des Koran bestätigen die Anwendung der Gewalt gegen die Nichtmuslime. Dieser Krieg ist ein Krieg zwischen Religionen“.

 

,,Margret Tatcher“ Großbritannien Ex-Premierministerin entlarvt, was der Westen von dem Vorwurf des Islam den Terrorismus erzielt. Als sie sagte: "Der einzigartige islamische Terrorismus umfasst all diejenigen, die die westlichen Werte verweigern, und diejenigen, deren Interessen mit den der Westen kollidieren“. 

 

Dies motivierte den Philosoph des Kulturkampfs ,,Samuel Huntington“ zur Aufruf zu einem innerislamischen Krieg, bis der Islam die westliche Moderne, den westlichen Säkularismus und das christliche Prinzip der Trennung zwischen Religion und Staat akzeptiert.

 

Deswegen war es wichtig, diese heikle Akte zu öffnen, um einen objektiven Dialog moderieren zu können und die Begriffe, die missverstanden und missbraucht worden sind, richtig zu erklären. Diese Begriffe haben eine geistige Grauzone hervorgebracht, die einen großen Haufen von Menschen zur geistigen Übertreibung und zum Verüben von blutiger Gewalt geführt haben. Was manche ausgenützt haben, um des Bild des Islam zu verzerren.

Die richtige Darstellung für die wahren islamischen Visionen sowie die präzise Festlegung für die Bedeutungen der islamischen Fachbegriffe ist der richtige Weg für eine gerechte Behandlung für diejenigen, die sich für oder gegen Islam radikalisieren. Dies ist auch der Weg zum Aufruf der verschiedenen Gruppen zu einem gleichen Wort, im Schatten des Paktes des Zusammenlebens, den der Prophet mit den Christen von Nadschrân im 1. Jahr n. H./631 n. Chr. abmachte, als er sagte: ,,Sie haben die gleichen Rechte und Pflichten, genauso wie die Muslime selbst, und die Muslime auch haben die gleichen Aufgaben, damit sie als Partner mit den Muslimen in allen Rechten und Pflichten leben können“.

Es ist eine Erklärung, durch die die Wahrheiten enthüllt wird, sowie ein Beitrag zum Richtigstelle des Denkens und Aufruf zu einem Zusammenleben in einer Welt, in der die Brüderlichkeit, Wohlstand und Frieden herrscht.

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