Spiritualität in der Pilgerfahrt (Hadsch)

  • | Wednesday, 31 July, 2019
Spiritualität in der Pilgerfahrt (Hadsch)

     In paar Tagen beginnt die jährliche Session der Pilgerfahrt. Anlässlich dessen wird  in den folgenden Zeilen den Versuch unternommen, auf die Pilgerfahrt und ihre spirituellen Demissionen einzugehen.

In der Tat stellt die Pilgerfahrt eine religiöse Fahrt dar, die in den drei Himmelsreligionen zu finden ist. Darin stellt sie eine Chance dar, die spirituelle religiöse Seite in der menschlichen Seele zu verstärken.

Die Pilgerfahrt gilt im Islam als die fünfte Säule der Religion. Jeder Muslim soll sie mindestens einmal im Leben durchführen, wenn er sowohl finanziell als auch gesundheitlich dazu in der Lage ist. Allah, der Erhabene, sagt im Koran: „…Und der Menschen Pflicht gegenüber Gott ist die Pilgerfahrt zum Hause (d.h. zur Kaaba in Mekka), wer immer dazu in der Lage ist.“  (Sure 3: Vers 97)

Die Botschaft der Pilgerfahrt konzentriert sich darauf, Gott näher zu kommen. Durch den Verzicht auf die übertriebenen materiellen Sachen und durch die Durchführung bestimmter anstrengender Riten vertiefen die Millionen Pilger ihre Spiritualität. In der Pilgerfahrt wartet man auf keinen Urlaubsspaß, sondern auf viele Aktivitäten und strengen Ablauf, den man einhalten soll. Die Pflichtriten der Pilgerfahrt, die nach der bestimmten Reinfolge und nach dem präzisen Zeitplan durchzuführen sind, sind vier: Eintritt in den Weihezustand (arab. Ihram), Verweilen (Wukuf) in Arafat, siebenmalige Umkreisung (Tawaf) der Kaaba und der siebenmalige Gang zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa (sa´i). Dadurch lernt der Muslim verschiedene ethische Lektionen:

vorübergehender Verzicht auf Materie:

Mit dem Eintritt in den Weihezustand ist gemeint, sich einer Ganzkörperwaschung zu unterziehen, auf die äußerliche übliche Kleidungsordnung zu verzichten und in einer asketischen Kleidung bestimmte Rituale durchzuführen. Es symbolisiert einen vorübergehenden Verzicht auf das materiellen Lebens und eine Befreiung von dessen Fesseln. Es ist eine Übung, woraus der Muslim lernt, dass er vom materiellen Leben nicht immer anhängig zu sein und dem letzten Tag eher Rechnung zu tragen. Das materielle Leben soll in der Hand sein, nicht im Herzen.

Pilgerfahrt und Gleichheit:

Die Lage, in der sich die Pilger auf den Weg zur Pilger machen, soll die Muslime an den Auferstehungstag erinnern. In weißen Tüchern angezogenen Menschen, die sich ihren Körper teilweise decken, sind äußerlich alle gleich. Niemand ist bevorzugt, außer denen, die Gott am meisten fürchten. Dabei soll es keine Ausnahme geben. Es spielt keine Rolle, ob jemand wichtige Posten innehat oder ihm viel Geld zur Verfügung steht. Es ist für alle Männer eine Voraussetzung, diese Kleidung anzuhaben, um eine einzige Atmosphäre der Gleichheit zu schaffen. Die Gleichheit aller Menschen gegenüber Allah stellt an sich eine Werte und Lektion dar, die man praktisch durch die Pilgerfahrt lernt und lebt.

Pilgerfahrt und Gehorsamkeit:

Der Vorschriften Allahs gegenüber gehorsam zu sein, setzt ein klares Zeichen dafür, dass der Pilger Allah einen neuen Treueid leistet. Somit geht er mit der Hoffnung auf die Verzeihung der vorherigen Sünden zurück. Die spirituelle Befreiung von den Sünden ist dem Muslim versprochen, wenn er seine islamwidrigen Aktivitäten richtig bereut und den anständigen Verhalten bei der Durchführung der Pilgerfahrtriten einhält. Der Prophet sagt: „Wer (nach Mekka) pilgert, ohne dabei zu freveln oder zu sündigen, kehrt (sündenfrei) zurück, wie am Tage als seine Mutter ihn geboren hat.“ Darüber hinaus sagt er auch „Die aufrichtig (für Allah) vollzogene Pilgerfahrt hat keinen anderen Lohn als das Paradies.“

Pilgerfahrt und komplettes Verlassen auf Allah:

Mekka, wonach die Muslime pilgern, erinnert die Menschen daran, wie der Prophet Abraham seine Frau  Hadschar und ihren Säugling, den er sich lange Zeit gewünscht hat, auf einer Wüste alleine gelassen hat. Dass die Frau Hadschar mit dieser Entscheidung einverstanden war, ist bemerkenswert. Sie hatte bestimmt Angst um ihren Säugling und natürlich um sich selbst. Aber trotzdem gehorchte sie dem Befehl Allahs, sich zusammen mit ihrem kleinen Sohn allein in diesem unbewohnten Ort niederzulassen. Sie fragte nur ihren Mann: Hat Allah dich wirklich befohlen, uns hier allein zu verlassen? Er bejahte. Dann sagte sie: Dann wird Er uns bestimmt beistehen. Allah erwähnt im Koran das Bittgebet von Abraham: „Unser Herr, ich habe (einige) aus meiner Nachkommenschaft in einem Tal ohne Pflanzungen bei Deinem geschützten Haus wohnen lassen, unser Herr, damit sie das Gebet verrichten. So lasse die Herzen einiger Menschen sich ihnen zuneigen und versorge sie mit Früchten, auf dass sie dankbar sein mögen.“

Sich auf Allah komplett zu verlassen gilt als eine Lektion, die der Pilger in dieser Reise zu lernen hat. Damit darf man aber nicht begnügen. Man soll auch versuchen, seine Ziele durch aktive Handlungen zu erreichen. Im Fall der Abrahams Geschichte ist Hadschar siebenmalig zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa gegangen, um die Menschen bzw. ein kleines Zeichen für Vorhandensein des menschlichen Lebens zu finden. Sie hat versucht und wie gesagt: Ein Versuch ist immer wert. Wenn man sein Bestens gegeben hat und trotzdem keinen Erfolg hat, wenn Allah es will, kommt der Wille Allahs in Form einer göttlichen Hilfe oder sogar eines Wunders vor. Das Wasser sprudelte unter den Füßen des Kleinen. Die Pilger sollen auch zwischen denselben zwei Hügeln hin und her siebenmal laufen, um sich an diese Geschichte zu erinnern und die Lektion, immer aktiv zu sein, zu lernen.

Pilgerfahrt und Pünktlichkeit:

In der Pilgerfahrt gibt es für jeden Ritus eine bestimmte Zeit. Den Ablauf der Pilgerfahrt einzuhalten, lehrt den Muslim, die Zeit hochzuschätzen und möglichst immer präzis und pünktlich zu sein. Wenn aber aus Umständen den Ritus verpasst wurde, kann dafür eine Entschädigung bezahlt werden, aber nicht für die Haupt vier Säulen der Pilgerfahrt.

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