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Engel im Islam III
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Engel im Islam III

Abdel Rahem, Mohammed

Was die Sitten der Engel anbelangt, stellt die islamischen Lehre fest, dass sie sich gegen Gott auf keinen Fall auflehnen und demzufolge unfehlbar sind. Es heißt im Koran: "die sich gegen Gott in dem, was er ihnen befohlen hat, nicht auflehnen, vielmehr tun, was ihnen befohlen wird." (66/6) Dies führt man darauf zurück, dass die Engel keine Willensfreiheit haben, wie die Menschen. Einige Gelehrten sind hingegen der Meinung, dass nur die Boten unter den Engeln, d.h. nur diejenigen, die Gott an seine Propheten schickt, unfehlbar sind. Als Beweis führen sie die Geschichte von Adam und dem Satan, der sich dem Befehl Gottes widersetzte, sich vor Adam zur Ehrung niederzuwerfen. Die meisten Gelehrten weisen diese Auffassung zurück, und meinen, dass der Satan, den der Koran Iblis nennt, nicht zu den Engeln gehörte. Der Koran selbst sagt: "Da warfen sie sich (alle) nieder, außer Iblis. Der war (einer) von den Dschinn." (18/50). Darauf wird doch geantwortet, dass das im Vers genannte Dschinn, wozu Iblis gehörte, eine Art bzw. eine Untergruppe von den Engeln selbst, da Gott, wie es dem Wortlaut des Koran zu entnehmen ist, seinen Befehl nur an die Engel richtete, nämlich, dass sie sich Adam, dem ersten Menschen, niederzuwerfen. Also, ob alle Engel oder nur einige davon unfehlbar sind, ist in der islamischen Glaubenslehre eine bestrittene Frage.

 

Des Weiteren sind die Engel gemäß dem Koran vornehm und rechtschaffen. Sie führen ihr Gebet zu Gott auf eine ordentliche Art und Weise. Sie stehen in Reihen und geben kein Wort vor sich außer mit Erlaubnis Gottes. Der Prophet Muhammad verlangte von seinen Anhängern beim Gebet, sich in Reihen nebeneinander zu stellen, wie die Engel im Himmel. Diese Darstellung drückt der Koran in vielen Stellen aus. Z. B. beschreiben die Engel sich selbst und sagen: "Wir sind es, die sich, um Gott zu dienen, in Reihen aufstellen. Und wir sind es, die (Gott) preisen." (37/165-166)

 

Gabriel, dem Engel der Offenbarung, werden hervorragenden sittlichen Eigenschaften zuteil, wie die Vortrefflichkeit, die Mächtigkeit und die Treue. Er ist auch derjenige, dem die anderen Engel Gehorsam leisten. Er hat somit eine besondere Stellung im Koran. All diese Eigenschafen werden in der folgenden Koranischen Stelle genannt: "Er (der Koran) ist die Aussage eines edlen Boten, der beim Herrn des Thrones über (große) Gewalt verfügt und Macht (und Ansehen) hat, dem gehorcht wird und der vertrauenswürdig ist." (81/19-21) Die Treue Gabriels und seine Macht und Stärke kommen auch in anderen Versen zum Ausdruck. Die prophetischen Überlieferungen berichten, wie Gabriel hunderte Flügel hat. Der Koran erzählt auch vom starken Körperbau Gabriels: " Gelehrt hat (es) ihn einer, der über große Kräfte verfügt, dessen Macht sich auf alles erstreckt."(53/5-7).

Gabriel wird meistens bei der Rede von den Engeln ausgenommen und mit seinem Eigennamen genannt. In vielen Zusammenhängen kommt die Rede vor: "die Engel und Gabriel" bzw. "die Engel und der Geist". Als Zeichen des absoluten Vorrangs wird doch sein Name in manchen Stellen vor den anderen Engeln erwähnt. Z. B. sagt der Koran über den Propheten Muhammad: "So steht Gott, sein Beschützer, ihm bei, desgleichen Gabriel und die rechtschaffenen Gläubigen. Auch die Engel werden ihm dann Beistand leisten." (66/4) In einem andern Vers: "Am Tag (des Gerichts), da der Geist und die Engel in einer Reihe (vor Gott) stehen werden". (78/38)

Nun komme ich zu den Aufgaben der Engel. Wie gesagt berichten die islamischen Quellen von Engeln, die von Gott mit unterschiedlichen Aufgaben betraut werden. Die höchste Aufgabe unter diesen ist es, Botschaften von Ihm den Propheten zu vermitteln. Gabriel ist am meisten damit beauftragt. Das schließt doch nicht aus, dass Gott andere Engel zu Boten macht. Im Koran steht beispielsweise, dass die Engel zu Zacharias im Tempel kamen und ihn Johannes verkündeten.

Michael ist der Engel der Wolken und des Regens, d.h. er hat die Aufgabe, die Wolken zu einem bestimmten Ort zu tragen und die Regen über ein bestimmtes Gebiet fällen zu lassen. Michael, der noch viele Helfer hat, kontrolliert mit Gottes Erlaubnis die Menge des Regens. Der Todesengel Esreel hat den Auftrag, das Leben der Geschöpfe zu dem von Gott bestimmten Zeitpunkt zu beenden, indem er die Seele aus dem Körper herauszieht. Esraeel hat auch wie Michael viele Helfer, auch Helferengel genannt. Er wird auch vor dem Tag des Gerichts die Seele der anderen Engel mit Erlaubnis Gottes nehmen. Am Ende befiehlt ihm Gott, das Gleiche mit sich selbst zu tun.

Ohne Helfer aus den Engeln hat Israfeel die Aufgabe, ins Horn zu blasen, damit alle Lebenden am Ende der Welt sterben. Dann bläst er noch mal, damit alle Verstorbenen wieder aufstehen. Israfeel ruft dann die Menschen und leitet sie zum Gericht. Dann folgen die Menschen ohne Abweichung den Engel. Es steht im Koran: "Am Jüngsten Tag werden alle dem Rufer geradewegs folgen müssen, ohne abweichen zu können. Alle Stimmen werden vor Dem Barmherzigen demütig leise sein, so dass du nur Flüstern vernimmst." (20/108). Zu den Aufgaben der Engel gehört noch, dass sie Gott beten und ihn um Vergebung für die Menschen bitten.

Raqeeb und Ateed, die der Koran als ehrenwerten Schreiberengel bezeichnet, begleiten den Menschen und zeichnen seine Taten und Aussagen auf: Der Engel zur Rechten der Menschen schreibt die guten Handlungen nieder, sobald der Mensch sie tut. Der Engel zur Linken, der die schlechten Taten und Aussagen niederschreibt, wartet doch eine Weile vor der Aufzeichnung mit der Hoffnung, dass der Mensch Reu darüber äußert. In diesem Falle schreibt der Engel nichts.

Andere Engel sprechen für die Menschen Bettgebete, begleiten und unterstützen sie bei guten Handlungen, bei der Erlangung von Wissen, beim Gebet, bei gemeinschaftlichen Koranrezitationen usw. Der Prophet Muhammad soll gesagt haben, dass die Engel ihre Flügel als Zeichen der Freude und Zufriedenheit über diejenigen ausstrecken, die sich mit dem Wissen beschäftigen. Das bedeutet, dass die Engel Kontakt mit den Menschen bzw. der Natur haben. Weil die Menschen ihrerseits diesen Kontakt konkret nicht wahrnehmen, ist er und bleibt für immer einseitig.

Die Beziehung der Engel zu Gott beschränkt sich doch nicht bloß auf das Beten und die Verehrung. Die im Koran erwähnte Geschichte von Adam zeigt auf mögliche Diskussionen zwischen Gott und seinen Engeln sowie auf Meinungsunterschiede unter den Engeln selbst. Der Koran erzählt, dass Gott den Engeln von der Neuerschaffung auf der Erde mitteilte, was sie zunächst nicht guthießen, und zwar mit dem Grunde, dass daraus nur Korruption und Unruhe auf der Erde wird. Der Koran berichtet auch, wie sie untereinander darüber uneins waren. Der Vers lautet: "Ich habe durch die Offenbarung kein Wissen über die obersten der Engel, als sie miteinander stritten" (39/69). Wenn der Koran in anderer Stelle sagt, dass Gott am Jenseits auch zwischen den Engeln richten werde, so darf man vermuten, dass weitere Meinungsverschiedenheiten in anderen Situationen bestanden haben bzw. bestehen können.

 

Schließlich möchte ich noch erwähnen, dass die Wissenschaftler der Glaubenslehre über die Frage uneinig sind: Wer ist bei Gott besser und beliebter: die Engel oder die Propheten?

Eine Gruppe meint, dass die Propheten bei Gott vor den Engeln bevorzugt sind. Sie stützt sich vor allem auf die Geschichte Adams, wobei die Engel befohlen waren, sich vor Adam niederzuwerfen. Gott lehrte Adam dazu die Namen der Dinge, die die Engel auch nach dem Wortlaut des Koran nicht kannten. Darüber hinaus sind die Propheten trotz aller verführerischen Dinge auf der Erde unfehlbar. Somit müssen sie mit ihrem Kampf gegen die Triebe und Begierden besser sein als die Engel, die in ihrem Glauben nicht geprüft werden.

Andere Gruppe ist hingegen der Meinung, dass die Engel besser sind als die Propheten. Sie bezieht sich auf den Vers: "Da flüsterte ihnen der Satan (böse Gedanken) ein … und er sagte: ""Euer Herr hat euch diesen Baum nur verboten, (um zu verhindern) dass ihr zu Engeln werdet oder (sonst) zu Wesen, die ewig leben"" (2/20). Die Theologen schließen daraus, dass Adam und Ewa vom verbotenen Baum aßen, nur um Engel zu sein, d .h. um eine bessere Stellung zu erlangen. Zum Weiteren Beweis führen sie den Vers: "Jesus Christus wird es nicht aus Hochmut ablehnen, Gottes Diener zu sein; auch nicht die Gott nahestehenden Engel." (4/172) Die Theologen meinen, dass die wörtliche Steigerung "auch nicht die Engel" eine Rede von höherer Stellung aufweist. D. h. auch nicht die Engel, die besser sind, können Hochmut haben. In der Tat hat jede Gruppe sowohl ihre eigne Argumente als auch ihre Antworte auf die Beweisen der anderen Gruppe, was die Frage bis jetzt dahinstehen lässt.

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