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Al-Azhar und die modernen Konzepte – Urkunde der Freiheiten
Anonym
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Al-Azhar und die modernen Konzepte – Urkunde der Freiheiten

Al-Azhar und die modernen Konzepte – Urkunde der Freiheiten (2012)

Die Rede von der Auseinandersetzung der Al-Azhar mit den modernen Begriffen ist lang und komplex. So möchte ich mich auf die Urkunde, die Al-Azhar im Januar 2012 unter dem Titel „Urkunde der Freiheiten“ ausstellte, beschränken. Al-Azhar befasst sich in der Urkunde mit einer Reihe von Freiheiten und betont ihre Bedeutung, wie Religionsfreiheit, Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und die Freiheit der Kunst. Wenn es sich hier um die Erneuerung und die Vision dieser Konzepte gegenüber handelt, ist es notwendig, auf neue Perspektive im Dokument hinzuweisen; einige formelle und andere inhaltliche:

1. Aus formeller Perspektive

• Al-Azhar hat die Urkunde nicht allein formuliert und sie nicht als ein rein religiöses Dokument betrachtet. In Al-Azhar wurden viele Sitzungen und Tagungen mit Schriftstellern, Denkern und Intellektuellen organisiert, aus denen  Al-Azhar die endgültige Version des Dokuments abgeschlossen hat.

• Zum ersten Mal beschäftigt sich die Al-Azhar als religiöse Institution in einem religiösen Dokument mit der Freiheit der Literatur und Kunst. Al-Azhar spricht ausdrücklich über Arten der Kunst, über denen die Theologen und Religionswissenschaftler lange Zeit Kontroversen hatten. Im Dokument bringt Al-Azhar seine Position offiziell und institutionell zum Ausdruck. Die Rede ist hier von Songs, Poesie, Kinokunst, Musik usw.

• Das Dokument hat sich ab und zu auf die Institutionen des Staates bezogen, die als gesetzgebende Autorität gelten, indem es z.B. dem Obersten Verfassungsgericht zitiert und festlegt, dass die Meinungsfreiheit durch die Nichtverletzung der Freiheit der Anderen eingeschränkt ist. Das ist an sich eine Art Erneuerung im religiösen Diskurs der Al-Azhar.



 2. Aus inhaltlicher Perspektive


• Das Dokument enthält eine harmonische Mischung aus traditionellen und modernen religiösen Begriffen wie „Staatsbürgerschaft“, „Zivilgesellschaft“, „nationale Sicherheit“, „audio-visuelle Medien“, „Chancengleichheit“. Wenn die Rede hier von den Begriffen, dann würde ich insbesondere auf das Wort „Staatsbürgerschaft“ eingehen, das Al-Azhar in ihrer Urkunde verwendet, und mit dem gemeint wird, dass alle im Staat gleichberechtigte Bürger sind, die die gleichen Rechte und Pflichten haben. Der Begriff bedarf im Ägyptischen Kontext noch tieferer Diskussion über die Mechanismen der Anwendung des Prinzips der Staatsbürgerschaft und der Bestimmung der Ausgangspunkte und die Grundlagen der Gesetzgebung, um ein umfassende Staatsordnung zu entwickeln, die mit allen Aspekten einer gleichberechtigten Staatsbürgerschaft in völligem Einklang stehen kann.

 

• Im Dokument wird in den ersten Zeilen zwischen der Religionsfreiheit und dem Recht auf Staatsbürgerschaft eine Verknüpfung gemacht. Somit unterscheidet sich die Urkunde von den meisten traditionellen islamischen Texten, die fast immer die Rede über Freiheit des Glaubens mit dem Koranvers „Kein Zwang in der Religion“ beginnen. Darüber hinaus weist die Urkunde auch auf die Bestimmungen der Staatsverfassung und -gesetz hin, wenn sie sich auf Koranverse und andere religiöse Texte bezieht. Wenn das Dokument die Tendenzen der Ausgrenzung und Verketzerung ablehnt, wird dies nicht nur durch die prophetischen Traditionen belegt, sondern auch durch verschiednen Verfassungsartikel. Das bedeutet, dass Al-Azhar, die älteste religiöse Institution, nicht mehr seine religiöse, sondern auch die gesellschaftliche Wirklichkeit erlebt.


• Al-Azhar bezieht sich in seiner Meinung über die Freiheit der Meinungsäußerung auf einige islamische Intellektuellen, die meinen, dass die Meinungsfreiheit Mutter aller Freiheiten ist. In diesem Zusammenhang führt das Dokument detaillierte Beispiele der modernen Meinungsfreiheit an, die in den alten religiösen Texten nicht zu finden sind, wie Freiheit der Presse, Freiheit von Medien und Freiheit der Informationen usw. Es ist hier noch hervorzuheben, dass Al-Azhar dazu aufruft, diese Freiheiten durch die Staatsverfassung selbst garantiert zu lassen.


Kritischer Blick

Ich habe zwei kritische Fragen zum Dokument:

  • Erstens erwähnt das Dokument bei der Rede über die Freiheit des Glaubens die himmlischen Botschaften und die Heiligkeit der drei göttlichen Religionen, was bedeuten kann, das es sich um eine eingeschränkte Freiheit handelte. Ich weiß, dass es ein heikles Thema ist, und ich weiß die Auffassung der Al-Azhar zu bestimmten religiösen Konfessionen in Ägypten, die keiner der drei Religionen zugehört, wie die Bahá'í-Gemeinde. Aber wenn das Dokument sagt: " jeder in der Gesellschaft hat das Recht, an irgendwelche Ideen zu glauben“, dann sollte es die Tür der Freiheit öffnen lassen, ohne bestimmte Religionsgemeinschaften zu bestimmten, vor allem weil  das Dokument sowie die „Nicht-Störung der öffentlichen Ordnung“ als Voraussetzung der Religionsfreiheit.
  • Zweitens beendet Das Dokument die Rede über die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung damit, dass der Westen „seine Hände auf alle wissenschaftliche Fortschritte fast gelegt, und den Marsch der Wissenschaft monopolisiert hätte. Der Aufstieg von Japan, China, Indien und Südostasien hat das aber gehindert,“ und dass „die Zeit gekommen ist, in der die Ägypter, Araber und Muslime Platz am wissenschaftlichen Wettbewerb suchen müssen.“ Hier stellt sich die Frage: was ist in einem Dokument über die Freiheit dazu, Kritik am Westen auszuüben? Und seit wann wird die Wissenschaft monopolisiert? Und Warum betrachtet das Dokument den wissenschaftlichen Aufstieg von Japan, China und Indien auch nicht als Monopol der Wissenschaft? In der Tat finde ich hier keinen wissenschaftlichen Grund, über westliche und östliche Modelle zu sprechen.

 

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